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Warum dir eine Bank möglicherweise eher 300.000 Euro für eine Immobilie leiht als 30.000 Euro für eine Geschäftsidee

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Warum dir eine Bank möglicherweise eher 300.000 Euro für eine Immobilie leiht als 30.000 Euro für eine Geschäftsidee

Es klingt zunächst widersprüchlich:

Eine Bank lehnt einen Kredit über 30.000 Euro für eine Geschäftsidee ab – wäre aber möglicherweise bereit, derselben Person mehrere Hunderttausend Euro für eine vermietete Immobilie zu finanzieren.

Wie kann das sein?

Viele Menschen gehen davon aus, dass Banken Kredite in erster Linie anhand ihrer Höhe bewerten.

Nach dieser Logik müsste ein Darlehen über 30.000 Euro deutlich leichter zu erhalten sein als eine Immobilienfinanzierung über 300.000 Euro.

Doch für Banken ist nicht allein entscheidend, wie hoch ein Kredit ist.

Die wichtigere Frage lautet:

Wie gut lässt sich das Risiko einschätzen und durch Sicherheiten begrenzen?

Genau darin unterscheiden sich eine Geschäftsidee und eine vermietete Immobilie erheblich.

Eine gute Idee ist noch keine verwertbare Sicherheit

Natürlich finanzieren Banken auch Existenzgründungen und Unternehmen.

Wer ein überzeugendes Geschäftsmodell, belastbare Zahlen, Branchenerfahrung, ausreichend Eigenkapital und möglicherweise zusätzliche Sicherheiten mitbringt, kann durchaus eine Finanzierung erhalten.

Das Problem ist nicht, dass eine Bank grundsätzlich nicht an eine Geschäftsidee glaubt.

Das Problem ist, dass sich die zukünftige Entwicklung eines neuen Unternehmens nur begrenzt vorhersagen lässt.

Zu Beginn bestehen häufig viele offene Fragen:

  • Wird das Produkt tatsächlich angenommen?
  • Werden die geplanten Umsätze erreicht?
  • Wie hoch sind die laufenden Kosten?
  • Wie schnell kann ein stabiler Kundenstamm aufgebaut werden?
  • Wie reagiert der Wettbewerb?
  • Reicht die Liquidität aus, wenn der Unternehmensaufbau länger dauert?
  • Was bleibt übrig, falls das Geschäftsmodell scheitert?

Ein Businessplan kann diese Fragen fundiert beantworten. Er kann die Zukunft jedoch nicht garantieren.

Für die Bank bedeutet das: Die Rückzahlung hängt stark davon ab, ob die Annahmen des Gründers tatsächlich eintreffen.

Warum Banken bei Gründungsfinanzierungen vorsichtiger sein können

Bei einer Unternehmensgründung basiert die Rückzahlung des Kredits häufig auf zukünftigen Umsätzen, die noch nicht existieren.

Das macht die Bewertung anspruchsvoll.

Selbst eine überzeugende Idee kann an verschiedenen Faktoren scheitern:

  • zu geringe Nachfrage,
  • steigende Kosten,
  • falsche Preisgestaltung,
  • fehlendes Personal,
  • technologische Veränderungen,
  • neue Wettbewerber,
  • verzögerter Markteintritt.

Hinzu kommt, dass viele betriebliche Anschaffungen nur einen begrenzten Wiederverkaufswert besitzen.

Ein individuell eingerichtetes Büro, eine speziell entwickelte Software oder eine Marketingkampagne können für das Unternehmen wertvoll sein. Sollte das Geschäft scheitern, lassen sich diese Investitionen jedoch oft nicht zu ihrem ursprünglichen Wert veräußern.

Deshalb verlangen Banken bei Gründungsfinanzierungen je nach Fall häufig:

  • einen höheren Eigenkapitalanteil,
  • persönliche Bürgschaften,
  • zusätzliche Sicherheiten,
  • Förderdarlehen,
  • detaillierte Planrechnungen,
  • nachweisbare Branchenerfahrung.

Bei einer Immobilie steht ein konkreter Vermögenswert gegenüber

Bei einer vermieteten Eigentumswohnung sieht die Ausgangslage anders aus.

Die Bank finanziert nicht nur ein Vorhaben oder eine Prognose. Dem Darlehen steht ein konkreter Sachwert gegenüber.

Die Immobilie wird üblicherweise als Sicherheit im Grundbuch eingetragen. Kann der Kreditnehmer seine Verpflichtungen dauerhaft nicht erfüllen, besitzt die Bank grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Ansprüche über die Immobilie abzusichern.

Das bedeutet nicht, dass Immobilien für Banken risikolos sind.

Immobilienwerte können sinken. Wohnungen können leer stehen. Sanierungen können teurer werden als geplant. Auch die Verwertung einer Immobilie kann Zeit in Anspruch nehmen.

Trotzdem ist das Risiko häufig strukturierter bewertbar.

Fünf Gründe, warum eine Immobilienfinanzierung kalkulierbarer sein kann

1. Die Immobilie dient als Sicherheit

Der wichtigste Unterschied ist die Besicherung.

Bei einem Immobiliendarlehen wird in der Regel eine Grundschuld eingetragen. Dadurch hat die Bank einen direkten Zugriff auf einen realen Vermögenswert, falls der Kredit nicht mehr bedient werden kann.

Je besser der Immobilienwert die Darlehenssumme absichert, desto geringer kann das Verlustrisiko der Bank ausfallen.

2. Der Marktwert lässt sich nachvollziehbar ermitteln

Banken können Immobilien anhand verschiedener Kriterien bewerten:

  • Lage,
  • Größe,
  • Zustand,
  • Baujahr,
  • Bodenwert,
  • erzielbare Miete,
  • vergleichbare Verkäufe,
  • langfristige Marktgängigkeit.

Natürlich bleibt jede Bewertung mit Unsicherheiten verbunden. Dennoch stehen Banken umfangreiche Marktdaten und standardisierte Bewertungsverfahren zur Verfügung.

Bei einer neuen Geschäftsidee gibt es häufig deutlich weniger belastbare Vergleichswerte.

3. Mieteinnahmen unterstützen die Finanzierung

Bei einer vermieteten Immobilie können die laufenden Mieteinnahmen einen Teil der Kreditrate und der Bewirtschaftungskosten abdecken.

Die Bank betrachtet dabei normalerweise nicht einfach die vollständige Kaltmiete als frei verfügbares Einkommen. Sie berücksichtigt Sicherheitsabschläge, nicht umlagefähige Kosten, mögliche Leerstände und weitere Belastungen.

Trotzdem existiert bereits eine grundsätzlich nachvollziehbare Einnahmequelle.

Bei einer Neugründung müssen die entsprechenden Umsätze häufig erst noch aufgebaut werden.

4. Immobilienfinanzierungen sind stark standardisiert

Banken vergeben seit Jahrzehnten Wohnimmobilienkredite.

Sie verfügen daher über umfangreiche Erfahrungen mit:

  • unterschiedlichen Objektarten,
  • Beleihungswerten,
  • Kreditausfällen,
  • regionalen Märkten,
  • Zinsbindungen,
  • Tilgungsverläufen,
  • Verwertungsfällen.

Eine innovative Geschäftsidee kann dagegen so neu oder individuell sein, dass kaum vergleichbare Erfahrungswerte vorliegen.

5. Die Verwendung des Kredits ist klar definiert

Bei einer Immobilienfinanzierung ist nachvollziehbar, wofür das Geld eingesetzt wird.

Der Kaufpreis ergibt sich aus dem notariellen Vertrag. Die Auszahlung erfolgt häufig erst, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Die Bank kann zudem prüfen, ob Kaufpreis und Immobilienwert in einem plausiblen Verhältnis stehen.

Bei einem Unternehmenskredit können die Mittel für Personal, Produktentwicklung, Waren, Marketing oder laufende Kosten eingesetzt werden. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Ausgaben ist schwerer vorherzusagen.

Warum die höhere Kreditsumme nicht automatisch das größere Risiko ist

Nehmen wir zwei vereinfachte Fälle.

Im ersten Fall beantragt jemand 30.000 Euro für die Entwicklung einer neuen Geschäftsidee. Es gibt noch keine Umsätze, keine Bestandskunden und nur wenige verwertbare Sicherheiten.

Im zweiten Fall sollen 300.000 Euro für eine vermietete Wohnung aufgenommen werden. Die Wohnung besitzt einen nachvollziehbaren Marktwert, wird als Sicherheit eingetragen und erzielt laufende Mieteinnahmen.

Obwohl der zweite Kredit zehnmal höher ist, muss das Risiko für die Bank nicht zehnmal größer sein.

Im Gegenteil: Der größere Kredit kann aufgrund der vorhandenen Sicherheit und der nachvollziehbaren Einnahmen für die Bank kalkulierbarer sein.

Einkommen und Bonität bleiben trotzdem entscheidend

Daraus folgt nicht, dass jeder problemlos eine Immobilie finanziert bekommt.

Auch bei einem wirtschaftlich attraktiven Objekt prüft die Bank den Kreditnehmer sehr genau.

Zu den wesentlichen Kriterien gehören typischerweise:

  • regelmäßiges Einkommen,
  • bestehende Kredite und Verpflichtungen,
  • monatliche Lebenshaltungskosten,
  • Bonität und Zahlungsverhalten,
  • berufliche Situation,
  • vorhandene Rücklagen,
  • Alter und Finanzierungsdauer,
  • Qualität und Lage der Immobilie,
  • Verhältnis zwischen Kaufpreis und Objektwert,
  • langfristige Tragbarkeit der monatlichen Belastung.

Eine Immobilie allein reicht nicht aus. Die Bank finanziert immer die Kombination aus Kreditnehmer, Objekt und Finanzierungskonzept.

Der häufigste Denkfehler potenzieller Käufer

Viele Interessenten fragen zuerst:

„Warum sollte mir eine Bank 300.000 Euro leihen?“

Die sinnvollere Frage wäre:

„Unter welchen Bedingungen ist ein Darlehen über 300.000 Euro für die Bank ausreichend abgesichert und für mich langfristig tragbar?“

Dieser Perspektivwechsel ist wichtig.

Banken entscheiden nicht danach, ob eine Kreditsumme auf den ersten Blick groß oder klein wirkt. Sie prüfen, wie wahrscheinlich eine ordnungsgemäße Rückzahlung ist und welcher Wert im Ernstfall als Sicherheit zur Verfügung steht.

Wer diese Denkweise versteht, kann die eigene Finanzierung deutlich realistischer vorbereiten.

Eine gute Immobilie macht noch keine gute Finanzierung

Auch wenn eine Immobilienfinanzierung grundsätzlich kalkulierbar sein kann, darf der Kauf nicht allein mit der Bereitschaft einer Bank begründet werden.

Eine Finanzierungszusage beantwortet nicht automatisch folgende Fragen:

  • Ist der Kaufpreis angemessen?
  • Ist die erwartete Miete realistisch?
  • Welche Instandhaltungen sind absehbar?
  • Wie hoch ist die tatsächliche monatliche Belastung?
  • Bleiben ausreichende Rücklagen?
  • Passt das Investment zur persönlichen Lebensplanung?
  • Was passiert bei Leerstand, Reparaturen oder steigenden Anschlusszinsen?

Die Aufgabe der Bank besteht darin, ihr eigenes Kreditrisiko zu beurteilen.

Die Aufgabe des Käufers besteht darin, die Wirtschaftlichkeit und die persönlichen Risiken des Investments zu bewerten.

Das sind zwei unterschiedliche Perspektiven.

Fazit: Banken finanzieren nicht die größte Begeisterung, sondern das kalkulierbarste Risiko

Eine Geschäftsidee kann hervorragende Chancen bieten. Trotzdem ist ihre zukünftige Entwicklung insbesondere in der Gründungsphase schwer vorherzusagen.

Eine vermietete Immobilie bietet dagegen einen konkreten Sachwert, eine mögliche laufende Einnahmequelle und etablierte Bewertungsmaßstäbe.

Deshalb kann es tatsächlich vorkommen, dass eine Bank eher 300.000 Euro für eine solide vermietete Wohnung bereitstellt als 30.000 Euro für ein noch nicht erprobtes Geschäftsmodell.

Nicht weil Immobilien automatisch sicher sind.

Sondern weil sich das Risiko aus Sicht der Bank häufig besser bewerten und absichern lässt.

Wer versteht, wie Banken denken, erkennt möglicherweise Finanzierungschancen, die vorher unrealistisch erschienen. Entscheidend ist jedoch immer, dass nicht nur die Bank, sondern auch der Käufer die Finanzierung langfristig tragen kann.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Finanzierungs-, Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Jede Kreditentscheidung und jedes Immobilieninvestment müssen individuell geprüft werden.



 

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